Der Einbeinstand

Mrz 25 '15

Der Einbeinstand

Auf einem Bein stehen ist für uns Menschen als Zweibeiner durchaus eine Herausforderung. Unser Gewicht verteilt auf zwei Beine und Füße soll für eine kurze Dauer auf ein Bein verlagert werden und fordert so alle Muskeln im Körper. Mit zwei Beinen, zwei Flächen stehen wir fest auf dem Boden. Verringern wir unsere Standfläche um die Hälfte, nur auf einen Punkt, wird dies unser Dreh- und Angelpunkt. Das Ausbalancieren beginnt.

Dieses Balancieren wird gerne als Übung genommen, dient gleichzeitig auch zur Analyse für Trainer und Therapeuten. Wir können erkennen, welche Muskeln eventuell nicht zusammen- oder zu wenig arbeiten, wo falsche Bewegungs- und Haltemuster integriert sind.

Am einfachsten ist der Stand auf einem Fuß auf hartem und ebenem Grund und nur stehen. Um die Übung schwieriger zu gestalten, kann ich nun meine Arme nicht als eine zusätzliche Hilfe einsetzen zu können, sondern gemeinsam zur Decke schieben oder den gesamten Oberkörper z.B. in die Waagerechte zu schieben.
Aus der Physiotherapie kennen viele dann die Herausforderung die harten, ebene Unterlage durch ein zusammengelegtes Handtuch oder eine Wolldecke zu ersetzen. Durch die dicke, weiche Unterlage wird der Balanceakt schwieriger. Die Propriozeptoren in der Fußsohle sollen aktiver werden, der gesamte Muskel- und Bandapparat muss schneller und stärker arbeiten. Die Idee und Absicht ist durchaus gut. Für jemand, der irgendwann mal in seinem Leben einen Bänderriss am Fußknöchel hatte kann dies allerdings ein falscher Ansatz sein.

Direkt nach einem Riss, während der Schmerz- und Heilungsphase, bewegen wir uns in einer Schonhaltung. Zuerst müssen wir uns daraus wieder herausbewegen, was aber leider in der Regel nicht passiert.

Wir nehmen die erlernte Schonhaltung und veränderten Bewegungsmuster in unserem weiteren Leben mit. Ohne das wir nach einer vollendeten Heilung uns darüber bewusst werden, legen wir die veränderten Bewegungen nicht von einem zum anderen Tag ab und versuchen die nun einmal gerissenen Strukturen optimal wieder zu bewegen und zu integrieren.

Unsere falsche Schonhaltung bleibt, die bereits stärkeren Muskeln und Verbindungen werden noch stärker, die schwachen Seiten bleiben eher schwach und vielleicht sogar instabil.

Instabilität ist für uns im Alltag später immer weniger spürbar, wir haben uns ja daran gewöhnt und unser Körper findet „Umwege“, andere Muskeln, die diese Zusatzaufgaben übernehmen. Jedoch ist diese neugewonnene Haltung, die Bewegung nicht optimal und kann langfristig zu Problemen führen.

Mit einem instabilen Fußgelenk können wir uns über unseren großen Zeh oder über den Außenseite, den kleinen Zeh ankern. Je nachdem werden dadurch die äußeren inklusive dem Piriformis beansprucht oder die inneren Seiten. Trainieren wir nun den instabilen Fuß mit einer weichen, instabilen Unterlage, fördern wir unsere starken Muskeln und starken Muskelverbindungen nur noch mehr. Jedoch aktivieren nicht Muskeln, die das Arbeiten durch einen Riss verlernt haben. Dadurch ist die instabile Unterlage im Einbeinstand ein recht einseitiges Trainingsmittel.

Ziel sollte das Herstellen der gesamten Beweglichkeit und ein optimales Zusammenspiel der Muskeln sein und das können wir mit intelligentem Training und gezielter Wahrnehmung fördern. Der Einbeinstand zur Analyse ist hervorragend, zum Training eignet er sich nicht für jeden – aber wir können dahin trainieren.

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