Der Weg zur Wespentaille

Okt 18 '10

Der Weg zur Wespentaille

Ganzkörpertraining mit System. Warum haben die Frauen in Hollywood nur so schlanke Hüften? Sie haben Pilates entdeckt – und das schon lange.

Das beliebteste Pin-up-Girl der 40er Jahre war die Filmdiva Rita Hayworth. Die amerikanischen Soldaten hängten ihr Foto neben die Bilder ihrer Mädchen in den Spint. Nicht nur, weil ihr Augenaufschlag sie so sehr betörte, sondern wegen der serpentinenhaften Kurven ihrer Silhouette und der rasantesten Wespentaille des gesamten Sonnensystems. Die Mädchen der Soldaten konnten sich kaum beschweren, waren sie doch selbst fasziniert von der Schauspielerin, die in ihren Filmen neben Gene Kelly oder Cary Grant so eine blendende Figur machte. „Woher hat sie nur diese grazienhafte Haltung und die neideinflößende Taille?“, fragten sie sich. Die Antwort mag den neuzeitlichen Fitnessstudiogänger überraschen.

Sie lautet tatsächlich: Pilates. In den 20er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts landete der in Mönchengladbach geborene Bodybuilder Joseph Hubert Pilates mit einem Dampfer an der amerikanischen Ostküste. In seinen großen Überseekoffern hatte er einen Übungsplan, den er in der neuen Welt zu Geld machen sollte.
Pilates hatte als Turner, Taucher und Körpertrainer gearbeitet. Er kannte sich mit östlichen Praktiken wie Yoga und Zen aus und hatte sogar als professioneller Boxer, Zirkusartist und Lehrer für Selbstverteidigung beim britischen Scotland Yard gejobbt.

Für seine eigene Methode vermischte er Übungen der westlichen Gymnastik mit denen aus Yoga und Akrobatik, was sich – wie er fest-stellte – äußerst günstig für die Körperhaltung erwies. Rasch nach seiner Ankunft in New York wurde Pilates zum Geheimtipp der Tanzszene. Er eröffnete sein Studio im Gebäude des New York City Ballets und die Ballerinas und Revuemädchen tänzelten ihm die Türen nur so ein. Auch Rita Hayworth, deren Eltern beide Tänzer waren, kam über diesen Weg zu der Methode, die Pilates selbst „Contrology“ nannte.
Während die Showtalente in Pilates Studio auf dem von ihm konstruierten „Reformer“, einem martialisch anmutenden Trainingsgerät aus Lederriemen, Federn und Stahlrohren die Übungen absolvierten, findet Pilates heute in der Regel auf einer Gymnastikmatte auf dem Boden statt. Über die Jahre hat sich ein 500 Übungen starkes Repertoire an Bewegungsabläufen angesammelt. Die Methode kräftigt und dehnt die Muskulatur.

Autorin: Sandra Piske

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